Artikel mit Interview „Zwischen Erfolg & Abgrund: Wenn das System Existenzen gefährdet“ (ca. 10.600 Zeichen)
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Presse-Kontakt:
Susanne Braun-Speck, Tel. 0172-4332277, E-Mail: kontakt@sbraun-speck.de
Thematischer Schwerpunkt: Gefahren durch Politik, Krisen, Bürokratie und soziale Folgen
Schlagworte: Aktivrente, Alleinerziehende, Bürgergeld, Corona-Soforthilfe, DSGVO, Existenzgefahr, Existenz bedroht, Freiberuflichkeit, Grundsicherung, Härtefall, Mütterrente, Rückforderung, Scheinselbstständigkeit, Solo-Selbstständige, Wirtschaftskrisen
Artikel mit Interview:
Zwischen Erfolg & Abgrund: Wenn das System Existenzen gefährdet
Solo-Selbstständige, alleinerziehende Mutter, ehrenamtliche Vereinsvorsitzende, Autorin und – aktuell im Bürgergeldbezug: Susanne Braun-Speck aus Reinfeld (Holstein) hat ihre Geschichte in einem Wirtschaftskrimi verarbeitet. Beinahe live erzählt. Ein Gespräch über ein Leben ohne Sicherheitsnetz und doppelten Boden, das Solo-Selbstständige und Alleinerziehende nicht selten hart aufschlagen lässt.
Reinfeld (Holstein). Alleinerziehend. Selbstständig. Durch Bürokratie ruiniert? In politischen Debatten über Selbstständigkeit, Bürgergeld oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fehlen oft die Stimmen derer, die das System in allen Facetten durchlebt haben. Susanne Braun-Speck (50+) ist eine solche Stimme. Die Solo-Selbstständige baute ehemals ein Franchise-System in der IT-Personalbranche auf, engagierte sich umfangreich im Bildungsbereich und zog ihre Tochter allein groß.
Doch ihr Weg verlief nicht geradlinig, sondern glich einer risikoreichen Berg- und Talfahrt, gesteuert durch Gesetzesänderungen, Weltkrisen und Behördenpraxis. Aktuell lebt sie unter der Armutsgrenze. In ihrem Buch „Existenzgefahr“ beschreibt sie eine jahrzehntelange Achterbahn aus willkürlichen Gesetzesänderungen, (Wel-) Krisen und Behördenpraxis. Im Interview spricht sie über ihren Weg, ihre aktuelle Lage und strukturelle Bruchstellen, die aus ihrer Sicht viele Selbstständige treffen.
Frage: Frau Braun-Speck, Sie machen Ihre Erlebnisse öffentlich. Warum dieser Schritt?
Susanne Braun-Speck: „Weil Schweigen nicht hilft. Ich bin seit Ewigkeiten selbstständig, gemeinnützig aktiv und habe meine Tochter von der Windel bis zum Studium allein großgezogen. Ohne jeglichen Unterhalt. In drei Jahrzehnten kam eine Krise nach der nächsten: politische Entscheidungen, Gesetzesänderungen, Behördenpraxis und die normale Doppelbelastung als Alleinerziehende. Irgendwann reicht es.“
Frage: Sie waren lange erfolgreich selbstständig?
Susanne Braun-Speck: „Mehr oder weniger. Ich habe 1996 gegründet: eine Agentur im IT-Projektgeschäft; baute ein Franchise-System auf, zeitweise mit bis zu neun Niederlassungen. Ich habe gut verdient, Rücklagen gebildet und hatte die „Rente“ quasi schon zusammen. Dieses Polster ist heute wieder weg! Nicht durch Konsum, sondern durch ständige Eingriffe und Krisen, die erst meinem Geschäftsmodell und später neuen Vorhaben geschadet haben – und natürlich wegen der doppelten Belastung, allein mit Kind.“
Frage: Wann begann dieser Prozess?
Susanne Braun-Speck: „Sehr früh. Bereits im dritten Geschäftsjahr (1998) – da stand Scheinselbstständigkeit erstmalig im Raum. Später kamen im Zwei- bis Drei-Jahres-Takt neue Belastungen: 9/11, Basel II, Geldwäschegesetz, immer neue Finanz- und Wirtschaftskrisen – allgemeine, nicht persönliche. Alles hat seine Spuren hinterlassen! 2016 folgte der harte Einschnitt: Die Datenschutz-Aufsichtsbehörde untersagte mir die Nutzung meiner IT-Experten-Datenbank. Das war die Basis meines Geschäfts. Ich war alleinerziehend, mit Kind, und von einem Tag auf den anderen faktisch existenzlos.“
Frage: Trotzdem ging es weiter?
Susanne Braun-Speck: „Ich musste mich neu aufstellen und neue Angebote entwickeln – im Bildungsumfeld. Lehrkräfte-Fortbildungen, Schulprojekte. Für Vieles konnte ich Fördermittel über unseren Verein beschaffen – doch mein gemeinnütziges, unbezahltes Engagement war ein vielfaches höher. Dann kam Corona mit den Maßnahmen … Meine Aufträge wurden abgesagt, wieder brach alles weg, ohne eigenes Verschulden. Corona-Soforthilfe? Bekam ich, aber… Rückforderungen sorgten ja schon für nachträgliche Insolvenzen, für Andere werden sie erst noch zur Existenzbedrohung!“
Frage: Wie bei Ihnen?
Susanne Braun-Speck: „Ja vielleicht. Im Herbst erhielt ich von der Investitionsbank die Aufforderung, eine BWA vorzulegen. Am Ende wird es um Rückforderungen gehen – mehr als fünf Jahre später. Da im Herbst wirklich alles anders kam, als erwartet – es standen Projektfördermittel zwischen 10.000 Euro und 1 Million im Raum, aber es gab überraschenderweise keine, 0,00 Cent – ist es aktuell finanziell schon dramatisch genug!“
Frage: Wie sieht Ihre aktuelle Lebensrealität aus?
Susanne Braun-Speck: „Aktuell beziehe ich Bürgergeld, was wirklich schwer zu ertragen ist, da ich 30 Jahre lang ohne Ende gearbeitet habe. Das Problem dabei: Ein großer Teil meiner laufenden Fixkosten wird nicht anerkannt. Ich spreche nicht von Lebensmitteln, sondern von unvermeidbaren Verpflichtungen wie Versicherungen und Immobilien-Darlehen. Mit Bürgergeld ist meine Existenz faktisch nicht gesichert! Es reicht hinten und vorne nicht, Geld für Lebensmittel bleibt nicht übrig.“
Frage: Wovon leben Sie dann?
Susanne Braun-Speck: „Ich bin neben meiner Vorstands- und Projektarbeit für den sii-talents e.V., auch schon seid vielen Jahren ehrenamtliche Lebensmittelretterin – nur einmal die Woche. Aber das hilft mir jetzt natürlich enorm. Und: wenigstens ist meine Tochter finanziell abgesichert. Sie ist im Herbst unerwartet in eine WG gezogen, muss dort aber keine Miete zahlen, und kommt deshalb bestens mit Stipendium und Bafög aus.
Frage: Ihre Tochter studiert also. Was denn?
Susanne Braun-Speck: „Ja, sie studiert an der Technische Hochschule in Lübeck. Ich bin total froh, es geschafft zu haben, sie als Alleinerziehende bis dahin gebracht zu haben – ohne Unterhalt vom Vater, ohne jegliche Unterstützung. Allerdings studiert sie Informationstechnologie und Medien, was neue Sorgen macht: Wegen KI. Frage ist also, ob sie nicht besser einen anderen Weg einschlagen sollte.“
Frage: Haben Sie Angst vor Insolvenz?
Susanne Braun-Speck: „Ich habe Angst, mein Haus zu verlieren. Verkaufen will ich es nicht, nur um eine Krise zu überbrücken, die politische Rahmenbedingungen und späte Rückforderungen ausgelöst haben. Obwohl ich viel Verantwortung übernommen, Arbeitsplätze ermöglicht, allein ein Kind großgezogen und mich im Bildungssystem engagiert habe. Heute stehe ich da und muss mich rechtfertigen, obwohl ich alles getan habe, was in diesem System möglich war?“
Frage: Warum haben Sie Ihren Roman Existenzgefahr geschrieben?
Susanne Braun-Speck: „Weil meine Geschichte keine Ausnahme ist. Sie steht für viele Solo-Selbstständige, Kleinunternehmer:innen und Alleinerziehende. Sobald soziale Absicherung zählt oder echte Hilfe nötig wird, fallen viele durch jegliches Raster. Das Buch ist ein Zeitdokument – es geht darin um viele aktuelle politische Themen. Unter anderem um Aktiv- und Mütterrente, Bürgergeld/Grundsicherung, etc.“
Frage: Was erwarten Sie von Politik und Öffentlichkeit?
Susanne Braun-Speck: „Beim Bürgergeld müssen z.B. individuelle Lebenssituationen real berücksichtigt werden, gerade bei Müttern mit kleinen Kindern und bei Kranken. Verwaltung braucht also einen menschenzentrierten Blick, nicht nur Paragrafenlogik. Und bei Selbstständigen gilt: Ein Land, das für Unternehmertum wirbt oder Existenzsicherung verspricht, darf die Regeln nicht nachträglich zu Ungunsten der Betroffenen drehen. Damit werden die, die existentiell für unsere Gesellschaft wichtig sind, systematisch in den Ruin gedrängt. Das darf nicht sein!“
Frage: In der geplanten neuen Grundsicherung sollen Eltern bereits nach Vollendung des ersten Lebensjahres ihres Kindes zu Erwerbsarbeit oder Maßnahmen herangezogen werden können, bisher galt das ab dem dritten Lebensjahr. Wie bewerten Sie das?
Susanne Braun-Speck: „Politik fordert ohne ganzheitlichen Blick! Wo sind die Ganztags-Krippen- und Kita-Plätze dafür? Und wie sollen Kleinkinder eine dauerhafte Vollzeit-Fremdbetreuung aushalten, nicht halbtags, sondern wirklich voll? Wo sind die Arbeitgeber, die alleinerziehende Mütter Vollzeit beschäftigen? Von einem Halbtagsjob kann keine Ein-Eltern-Familie ernährt werden! Ein Land, das Kinder als Nachwuchs braucht, darf keinen zusätzlichen Druck ausüben, solange die passenden Rahmenbedingungen fehlen!“
Frage: Ein letztes Wort: Wofür setzen Sie sich ein?
Susanne Braun-Speck: „Generell ja schon lange für chancengerechte, schülerzentrierte digitale und nachhaltige Bildung. Der Verein heißt sii-talents. Und zukünftig insbesondere auch für ganzheitliches Denken und systemische Gerechtigkeit für Kleinstunternehmer und Alleinerziehende insbesondere – vielleicht in der Politik, in jedem Fall aber auf Lesungen, Workshops und Debatten.“
Hintergrundinfo zu ihrem Roman:
„Existenzgefahr“ richtet sich an Betroffene und an alle, die verstehen wollen, wie schnell Bürokratie, Krisen und Gesetzeslogik Lebensläufe zerlegen können. Das Buch greift erzählerisch zentrale Reizthemen der Gegenwart auf: von Aktiv- und Mütterrente über Bürokratie- und Förderlogik bis zu Scheinselbstständigkeit, Bürgergeld und den Folgen strikter Datenschutz-Auslegung. Der erzählte Zeitraum reicht von 1998 bis 2025.
Die Erfahrungen der Protagonistin stehen nach Angaben der Autorin stellvertretend für viele Solo-Selbstständige, Kleinunternehmerinnen und Alleinerziehende, die in Krisenphasen kein tragfähiges Sicherheitsnetz finden.
Das Buch ist über den Buchhandel, u.a. auf Amazon bestellbar, sowie auf der Website des Verlags (sii-talents e.V.). Link: existenz-gefahr.de
Lesungen, Workshops & Debatten
Begleitend zum Buch bietet die Autorin Lesungen, Workshops und moderierte Debattenformate an. Im Fokus stehen die Rechercheergebnisse, ihre wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Implikationen sowie der Dialog zwischen Betroffenen, Medien, Politik und Institutionen. Weitere Informationen: https://sbraun-speck.de/leistungen/
Story von „Existenzgefahr“:
Eine E-Mail. Eine Aufforderung. Ein Kampf ums finanzielle Überleben.
Herbst 2025: Eine Solo-Selbstständige glaubt an einen Neuanfang. Doch alle Projekte platzen. Ausgerechnet jetzt landet eine Nachricht in ihrem Postfach, die alles zerstören könnte: Es geht um die Corona-Soforthilfe aus dem Jahr 2020. Was damals als „unbürokratische Rettung“ versprochen wurde, entwickelt sich zur Schicksalsfrage: Müssen Tausende Euro zurückgezahlt werden? Geld, das längst verbraucht ist. Geld, das sie nicht hat.
Seit fast drei Jahrzehnten kämpft die Protagonistin als ehemalige Unternehmerin und Alleinerziehende gegen Krisen und Gesetze. Doch obwohl sie aktuell unter dem Existenzminimum lebt, gibt sie nicht auf!
Mit gezielter Recherche wühlt sie sich durch Online-Archive, analysiert digitale Informationen und deckt politische Widersprüche auf. Dabei stößt sie auf entscheidende Argumente, die bisher übersehen wurden und die Rechtmäßigkeit der Rückforderungen erschüttern könnten.
Von der Ohnmacht am Schreibtisch bis zum Befreiungsschlag auf der Bühne einer FuckUp-Night schildert dieses Buch die temporeiche Geschichte einer Frau, die beschließt: „Es reicht!“
Ein Wirtschaftskrimi nach wahren Begebenheiten – beinahe live erzählt!
Erscheinungsdatum / ISBNs:
- E-Book: 21.12.25 (ISBN: 978-3-9826094-9-2)
- Print: Ende Feb.26, 296 Seiten (ISBN: 978-3-9826094-8-5)




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