Das offene Buchungssystem: Ein Modell für Transparenz und Rechtssicherheit
In den ersten Jahren meiner Geschäftstätigkeit (vor dem Jahr 2000) mit der Projektagentur jobhopper standen die IT-Branche und damit ich (Susanne Braun-Speck) vor zwei großen Herausforderungen, die mich dazu bewogen, eine völlig neue Lösung zu entwickeln (nachdem ich bereits 1996 das Konzept der IT-Freelancer-Vermittlung entwickelt hatte).
Der erste Grund war die damals brisante und für alle Beteiligten riskante Thematik der Scheinselbständigkeit. Ich wollte – mit Unterstützung meiner damaligen Rechtsanwaltskanzlei – ein System schaffen, bei dem Freiberufler rechtlich sicher agieren konnten und ständig einen anderen Endkunden als Rechnungsempfänger in ihrer Buchhaltung hatten – und nicht dauerhaft die vermittelnde Agentur. Dies diente zugleich der finanziellen Sicherheit der Auftraggeber, um das Risiko von unvorhersehbaren Sozialversicherungsnachzahlungen zu minimieren, die bei einer fehlerhaften Einstufung des Status drohten.
Der zweite, ebenso wichtige Grund war mein persönlicher Anspruch an Fairness und Transparenz. Ich wollte das Misstrauen zwischen Experten, Vermittlern und Unternehmen beenden, indem ich die „Blackbox“ der Vermittlungsmargen auflöste. So entstand ab 1999 das Konzept des offenen Buchungssystems, das wir ab dem Jahr 2000 im täglichen Einsatz bei jobhopper etablierten.
Die Philosophie: Sicherheit durch direkte Kontakte
Ich verstand meine Rolle und die meiner Agenturpartner damals nicht als die eines klassischen Arbeitgebers oder Zwischenhändlers, sondern als Schnittstelle und Coach zwischen Auftraggebern und -nehmern. Das offene Buchungssystem war dabei das Werkzeug, um eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe zu garantieren.
In diesem System gab es keine geheimen Aufschläge. Offenheit war für uns selbstverständlich. Die Freiberufler wussten jederzeit, zu welchem Honorar wir sie am Markt anboten und was die jobhopper-Agentur an dem jeweiligen Auftrag verdiente.
So funktionierte das Modell in der Praxis
Das Herzstück war die sogenannte „offene Marge“. Wenn die Fachkräfte uns ihr gewünschtes Stundenhonorar nannten, schlugen wir darauf eine feste, offengelegte Provision auf.
- Die Kalkulation: Im Regelfall betrug unsere Vermittlungsprovision 18 % vom tatsächlichen Verkaufspreis (dem Honorar, das der Kunde zahlte).
- Ein konkretes Beispiel: Wollte jemand beispielsweise 150,- DM pro Stunde erhalten, boten wir die Person dem Kunden für 175,- DM an. Die Differenz war unsere reine Vermittlungsprovision.
- Rechtliche Struktur: Die Experten gingen ein direktes Einzelvertragsverhältnis mit dem Kunden ein. Damit traten sie im eigenen Namen auf und waren in keinem Fall Subunternehmer von jobhopper. Dies war der entscheidende Hebel, um in der Buchhaltung der Freiberufler die nötige Vielfalt an Auftraggebern abzubilden.
Einmalig: Das Abrechnungs-System mit Treuhandkonto
Um dieses Modell abzurunden, entwickelte ich ein Abrechnungssystem, das – soweit mir bekannt – damals einmalig war. Wir nutzten ein Treuhandkonto, das rechtlich und tatsächlich vom Agenturvermögen getrennt war.
- Rechnungsstellung: Die Freiberufler stellten eine Gesamtrechnung direkt an den Kunden.
- Einzug: jobhopper fungierte lediglich als Einzugsstelle und verwaltete das Geld treuhänderisch.
- Auszahlung: Sobald die Zahlung vom Kunden einging, wurde das Honorar abzüglich unserer Provision an die Fachkraft weitergeleitet.
Dadurch war sichergestellt, dass das Honorar rechtlich gesehen jederzeit dem Freiberufler gehörte und nicht in die Insolvenzmasse einer Agentur fließen konnte.
Fazit:
Arbeit änderte sich, und Menschen änderten sich mit ihr. Wer damals als IT-Spezialist oder Marketing-Experte frei arbeitete, wollte keine Knebelverträge, die einen das „kalte Grausen“ lehrten. Mit dem offenen Buchungssystem schaffte ich eine Win-Win-Situation: Rechtssicherheit bezüglich des Status als Selbständiger und eine ethische Basis durch absolute Honorarwahrheit.
Der zentrale Faktor dieses OpenBook-Systems war für mich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die von konsequent gelebter Transparenz und Ehrlichkeit geprägt war!










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