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Informatik & Mediendesign – welche Jobs bleiben, wenn KI alles verändert?

Doch heute, mit der rasanten Entwicklung der generativen KI, sehe ich vieles kritischer. Da es im Studium die Vertiefungsrichtung „Human-Centered Design (HCD)“ gibt (und zum Beispiel meine Tochter genau diesen Weg einschlagen möchte) habe ich mich gefragt: Was kann sie mit diesem Wissen in Zukunft überhaupt anfangen?

Human-Centered Design (HCD) bedeutet, Produkte, Systeme und Services so zu entwickeln, dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Grenzen im Mittelpunkt steht.

Anstatt Technologie „um der Technik willen“ zu bauen, wird im HCD-Prozess zunächst genau verstanden, wer die Nutzer:innen sind, was sie brauchen und wie sie interagieren – sei es bei einer Lernplattform, einem PC-Spiel oder einem KI-gestützten Tool. Daraus entstehen Konzepte, die benutzerfreundlich, verständlich, barrierefrei und akzeptiert sind. Kurz gesagt: Human-Centered Design sorgt dafür, dass Technik nicht überfordert, sondern unterstützt – und dass Menschen mit digitalen Systemen intuitiv und sinnvoll umgehen können.

Dabei stellen sich für mich Fragen wie: Welche Tätigkeiten können Absolvent:innen mit diesem Schwerpunkt künftig realistisch anstreben? Macht ein anschließender Master in Projektmanagement Sinn? Oder liegt die eigentliche Chance vielleicht darin, dass genau dieses Wissen gebraucht wird, um KI-Entwicklungsprojekte zu betreuen – schließlich funktioniert keine Technologie ohne durchdachte Mensch-Computer-Interaktion.

Ich merke:

Ich schwanke zwischen Begeisterung für die Möglichkeiten und Sorge um die Zukunftschancen. Das Potenzial ist groß – doch unklar bleibt für mich, welche Jobs in fünf bis zehn Jahren und später noch existieren und, welche erst noch entstehen werden.


Könnte wie folgt die berufliche Zukunft aussehen für Informatik (IT) & MedienDesign-Studierte?

Mit Vertiefung Human-Centered Design?

Der Fokus dessen liegt auf Nutzerzentrierung – und das bleibt ein Zukunftsthema, auch mit KI. Oder? Mögliche Berufsfelder:

  • UX/UI-Design & Research: Apps, Websites, Plattformen, die sich wirklich an Nutzer:innen orientieren.
  • Game & E-Sport-Design: Interaktionskonzepte, Interface-Gestaltung, immersive Spielerlebnisse.
  • E-Learning & EdTech: Entwicklung interaktiver Lernplattformen, Serious Games, VR-/AR-Lernumgebungen.
  • Interaction Designer in der Industrie 4.0: Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen in Automatisierung, Robotik, Smart Homes, Wearables.
  • Accessibility & Inclusive Design: Systeme, die für alle Zielgruppen (inkl. Menschen mit Einschränkungen) zugänglich sind.
  • Produktmanager:in Digital Products: Brücke zwischen IT, Design und Business.

In Kombination mit einem Master in Projektmanagement?

Das scheint eine sehr starke Kombination zu sein, weil Fachleute mit technisch-kreativem Hintergrund UND Management-Kompetenzgebraucht werden, um Teams zu führen und Projekte zu leiten. Karrierewege:

  • Projekt-/Programmmanager:inin Software-, Game- oder Medienfirmen ODER
  • Product Owner / Scrum Masterin agilen IT-Projekten
  • Innovation Managerfür digitale Transformation in Unternehmen
  • Consultant für digitale Projekte, Change Management, Human-Centered Transformation
  • oder, oder, oder?

Dieser Weg führt nicht nur zu technischen Fertigkeiten im Umgang mit Tools, sondern qualifiziert zugleich dazu, Teams zu steuern und Projekte umzusetzen.


Als Rolle in KI-Entwicklungsprojekten?

Genau hier liegt die Zukunft? KI wird nicht im luftleeren Raum entwickelt, sondern immer für Menschen. Human-Computer-Interaction (HCI)ist Kern jeder KI-Anwendung. Typische Tätigkeiten:

  • Gestaltung von User Interfaces für KI-Systeme(Chatbots, AR/VR-Umgebungen, Assistenzsysteme)
  • Ethical Design & Explainable AI: Wie erklärt KI ihre Entscheidungen den Nutzer:innen?
  • User Testingfür KI-Prototypen: Verstehen Menschen, wie das System funktioniert?
  • Projektleitung für KI-Projekte, in denen technische Entwickler:innen und Designer:innen zusammenarbeiten.

Mit diesem Hintergrund fungieren Absolvent:innen als Brückenbauer:innen zwischen Entwickler:innen, die Modelle erstellen, und Nutzer:innen, die sie verstehen und akzeptieren müssen – eine Rolle, die sie in KI-Projekten nahezu unverzichtbar macht.


Mögliche Jobs im Bildungsbereich (z.B. mit einem Master Professional in Bildungspädagogik)

1. Instructional Designer / E-Learning-Entwickler:in

  • Gestaltung von digitalen Lernumgebungen, Kursen, Apps, VR-/AR-Simulationen.
  • Verknüpfung von Didaktik, Storytelling und Technik.
  • Besonders gefragt in Hochschulen, Unternehmen (Corporate Learning), Start-ups im EdTech-Bereich.

2. Learning Experience Designer (LXD)

  • Weiterentwicklung des klassischen „E-Learning“ in erlebnisorientiertes Lernen.
  • Fokus auf User Experience: Wie fühlt sich Lernen an? Ist es motivierend?
  • Kombiniert Psychologie, Design, KI-Tools.

3. Educational Technology Specialist / EdTech Consultant

  • Beratung von Schulen, Hochschulen oder Weiterbildungsinstitutionen beim Einsatz digitaler Tools.
  • Schnittstelle: Lehrkräfte ↔ Entwickler:innen ↔ Verwaltung.
  • Sehr gefragt in Projekten rund um KI-gestütztes Lernen und personalisierte Lernsysteme.

4. Projektmanager:in Bildungstechnologien

  • Planung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten im Bildungsbereich.
  • Beispiel: Einführung einer Lernplattform, Integration von KI-gestütztem Feedback-System, Entwicklung eines Mediencurriculums.

5. UX-/UI-Designer:in für Bildungssoftware

  • Gestaltung benutzerfreundlicher Lernplattformen.
  • Thema Barrierefreiheit ist hier besonders wichtig (Inklusion, unterschiedliche Lerntypen).

6. Didaktische Projektleitung für Serious Games & Gamification

  • Entwicklung von Lernspielen, Simulationen, Escape-Room-Lernwelten.
  • Einsatz in Schulen, Ausbildungsbetrieben oder Weiterbildung.
  • Stark wachsendes Feld (besonders in MINT und Medizin).

Zukunftstrend: KI im Bildungsbereich

  • Adaptive Learning: Lernplattformen, die Inhalte individuell anpassen. → braucht Human-Centered-Designer:innen für die Umsetzung.
  • KI-Coaches & Chatbots: Tutor-Systeme, die Schüler:innen oder Studierende begleiten. → hier ist Mensch-Maschine-Interaktion entscheidend.
  • Lern-Analytics: KI wertet Lernfortschritte aus – Designer:innen müssen die Ergebnisse so aufbereiten, dass Lehrkräfte und Lernende sie verstehen.

Im Bildungsbereich eröffnen sich offensichtlich zahlreiche passende Berufsmöglichkeiten – und durch den Einsatz von KI dürften es künftig weit mehr werden. Gefragt sind Fachkräfte, die Lehrende und Lernende verstehen, interaktive Lernsysteme gestalten und zugleich Projekte professionell managen können.

Oder wie wäre es mit Vertiefungen im Bereich Data Science?

Oder mit einem Aufbaustudium im Bereich Psychologie?

Die eine oder andere Idee kommt da bei mir noch auf … Fakt ist wohl: Die berufliche Zukunft im Feld IT und Mediendesign ist kein klarer, vorhersehbarer Weg – zu rasant entwickeln sich KI und digitale Technologien.

Doch eines scheint sicher: Wo Technik den Menschen betrifft, bleibt Human-Centered Design unverzichtbar. Wer diesen Ansatz mit Projektmanagement oder weiteren Spezialisierungen verbindet, öffnet sich Türen – nicht trotz KI, sondern gerade wegen ihr.

Hoffe ich auf jeden Fall, denn ich wünsche mir natürlich, dass meine Tochter jetzt und heute einen Weg einschlägt, der Zukunft hat!


Foto: Marc Müller, über Pexels