KI übernimmt die Arbeit – und die Politik diskutiert daran vorbei?
Legen wir jetzt die Füße hoch und KI macht die Arbeit? Torpediert KI die Pläne der Bundesregierung bzgl. Wirtschaftsankurbelung, Arbeitsmarkt und Bürgergeld? 🤖📉 „Noch ist offen, ob sich KI vor allem als Treiber von Produktivität und Innovation oder als Faktor struktureller Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten erweist“, steht in einer wissenschaftliche Arbeit des Bundestages aus 11/2025.
Vor wenigen Tagen wurde mir – wie so oft – eine Anzeige eingeblendet: Ein Anbieter warb damit, komplette Websites in Minuten durch KI generieren zu lassen (auch ich habe in den letzten Jahren u.a. Webdesign gemacht). Und: Letzte Woche habe ich selbst mit Hilfe von KI ein Plugin programmiert – es funktioniert bestens!
Damit wurde mir erneut klar, wie stark sich Tätigkeitsprofile gerade verschieben. Nicht irgendwann – jetzt. Viel mehr als während des New Economy Hypes der 90ziger Jahre! Die damalige Zeit war geprägt von der Euphorie ums Internet, Telekommunikation und Informationstechnologie (ITK-Branche) – ich war mitten drin, mit meiner damaligen IT-Freiberufler-Vermittlungsagentur, #NewWork.
Während Berlin / Deutscher Bundestag noch über die Details der neuen Grundsicherung debattiert, schafft die technologische Realität bereits Fakten.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI den Arbeitsmarkt verändert – sondern wie schnell. Und welche Berufe es am stärksten trifft. Längst sind es nicht mehr nur einfache, wiederholende Tätigkeiten, die durch Automatisierung und KI übernommen werden. Gerade Akademiker und hochqualifizierte Wissensarbeiter erleben, wie KI komplexe Aufgaben vorbereitet, beschleunigt – oder teilweise selbst ausführt.
Offensichtlich wird das auch positiv gesehen:
Die McKinsey-Studie „Effects of GenAI on the German labor market“ (November 2023) kommt zu dem Ergebnis, dass generative KI vor allem in komplexen, wissensintensiven Berufen ein hohes zusätzliches Automatisierungspotenzial entfaltet.
Die Beratungsgesellschaft bewertet diese Entwicklung als Chance: GenAI könne Produktivität steigern und Fachkräftemangel abmildern. (Für wen ist das positiv? Konzerne?)
Besonders betroffen sind:
- Rechts- & Beratungstätigkeiten: +36 %
- MINT- / STEM-Berufe: +29%
- Bildungs-/ Trainingstätigkeiten: +40 %
- Akademiker insgesamt: +24 %
Auch in hoch bezahlten Tätigkeiten sieht McKinsey überdurchschnittliche zusätzliche Automatisierungseffekte.
Doch hier beginnt die politische Kernfrage:
Wenn KI die Aufgaben von einfachen Tätigkeiten bis hin zu Fachkräften automatisiert oder stark verdichtet, verschiebt sich Arbeitslosigkeit möglicherweise in Qualifikationsgruppen, die bisher als stabil galten. Dann greifen arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die primär auf Druck / Aktivierung setzen, möglicherweise zu kurz.
Auch das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) betont in mehreren Studien, dass zunehmend auch höherqualifizierte Tätigkeiten von Digitalisierung und KI betroffen sind – insbesondere dort, wo kognitive Routinen automatisierbar werden.
Die Konsequenz daraus ist klar: Stetige Weiterbildung wird nicht zur Option, sondern zur Voraussetzung.
Anstatt ausschließlich über Regelsätze zu streiten und Menschen in Not weiter unter Druck zu setzen, müsste die Politik struktureller denken:
- Wie wird Weiterbildung radikal neu organisiert – schnell, praxisnah, technologie-offen?
- Wie werden Produktivitätsgewinne verteilt, wenn weniger menschliche Arbeitszeit benötigt wird?
- Welche neuen Tätigkeitsfelder entstehen – und wie bereiten wir Menschen darauf vor?
KI ist da. Die 1. Frage lautet: Gestalten wir diesen Wandel – oder verwalten wir später seine Folgen?
🤔 ❓ 2. Frage: Wenn ein Entwickler mit KI plötzlich die Leistung von zwei oder drei Personen erbringt, dann? Entfallen mehr Jobs, oder entstehen mehr neue Aufgabenfelder (KI-Integration, Governance, Security, Datenethik)?
PS: Es heißt auch in dem Bundestagspapier: „Mischkompetenzen sind gefragt– technisches Verständnis gepaart mit analytischem Denken, Kommunikation und Kreativität.“ – die habe ich. Also kann ich unbesorgt sein? Nein, denn ich bin ja 50plus.
Quellen:
- Bundestag, wissenschaftliche Arbeit aus 11/2025
- IAB-Bericht 12/2025
- McKinsey-Studien 11/2023
- Debatte Grundsicherung/Bürgergeld (Anhörung 23.2.26)
Lies dazu passend gerne auch das:







Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!