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Susanne Braun-Speck
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Angebote & Termine, Bildungssystem, Digitalisierung /KI, Hochbegabung

Online-Schülerzeitungen als Begabtenförderungs-Projekt

Online-Schülerzeitungen sind Produkte, die wie ein (Schüler-) Unternehmen gegründet und geführt werden müssen – das ist eine Herausforderung: Redaktions-Mitglieder (Schüler:innen) setzen dabei ihre Kreativität und verschiedenste Begabungen ein – wodurch sie gefördert, gefordert und gestärkt werden können.


Dieser Beitrag von Autorin Susanne Braun-Speck ist ein Auszug aus dem Community-Buch „Kreative und (Hoch-) Begabte in Schule finden, fördern und stärken“ – an dem Buch arbeiten wir noch. Mit-Autor werden? Schau hier.

Online-Schülerzeitungs-Machen ist besonders förderlich für alle Beteiligten, weil diese – zeitgemäß – annähernd wie Digital-Unternehmer denken müssen: sie Gründen, erschaffen ein digitales Produkt, betreiben das „Unternehmen“ Schülerzeitung mit Bereichen wie Marketing, Vertrieb, Personalwesen, Organisation, etc. – das fördert den Unternehmergeist (Entrepreneurship)! Außerdem lernen sie dabei diverse digitale Methoden kennen, denn es geht im Redaktions-Alltag um Online-Recherchen, digitaler Arbeit im Content-Management-System, SEO, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, um die Produktion und Bearbeitung von digitalen Medien-Formaten wie Text, Bild, Videos, Audios, etc. – das ist in der Summe digitale Bildung pur.

Redaktions-Mitglieder können dabei verschiedenste Talente und Begabungen einbringen und entfalten!

Tipp 1: Selbst Lehrkräfte, welche eine Online-Schülerzeitung ins Leben rufen, um besonders Kreative & Begabte zu fördern, sollten dies nicht unter dem Deckmantel der Begabtenförderung tun. Schnell würden die beteiligten Schüler:innen schräg angeguckt, ggf. als Nerds betrachtet oder sogar gemobbt werden. Besser ist: Das Kollegium darum zu bitten, unten aufgeführte Talente unter den Schüler:innen zu suchen und für die (Online-) Schülerzeitung zu empfehlen.

Bei Online-Schülerzeitungen gibt es verschiedenste Rollen und Positionen, welche unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse brauchen.

  • Führungskräfte / Organisatoren. Jede Schülerzeitung hat Antreiber, Menschen welche die Fäden in der Hand halten und alles organisieren und planen. Tatsächlich ist es so, dass wenige Schülerzeitungen ohne begleitende Lehrkräfte lange am Ball bleiben. Doch auch wenn eine Lehrkraft der Dreh- und Angelpunkt ist: Sie sollte es wenigstens gemeinsam mit ein, zwei, drei Redaktions-Leiter:innen aus der Schülerschaft das Zepter in der Hand halten ODER tatsächlich nur der begleitende Coach sein, der nur dann da ist, wenn er gebraucht wird (Offenes Wort? Letzteres gibt es eher selten.). Auf jeden Fall ist das Führen und Organisieren ein ganz eigenes Talent.
  • Influencer / Speaker – sind Goldwert. Es gibt ja überall im Leben immer irgendwelche „Schnacker“, die gerne im Rampenlicht stehen und ziemlich von sich überzeugt sind und entsprechend selbstbewusst auftreten. Für Schülerzeitungen sind die Goldwert, wenn sie zudem sympathisch sind und bei Anderen gut ankommen. Wenn diese von der Schülerzeitung überzeugt sind und damit unter der Schülerschaft (den Lesern = der Zielgruppe) mit ihrer Überzeugung hausieren gehen – auf Schulevents, in der Schülervertretung, etc. – dann ist das sehr werbewirksam. Gerne natürlich auch digital, als Influencer für die Schülerzeitung z. B. auf Instagram.
  • IT-Nerds. Es klingt verlockend, „Informatiker“ oder solche, die es mal werden wollen, im Redaktionsteam zu haben, um die Website zu betreuen. Aber zweimal Achtung: 1. überschätzen viele Schüler:innen mit Web-/Internet- und/oder Informatik-Knowhow ihre Fähigkeiten. Sie glauben, ein Content-Management-System sei leicht zu betreuen – aber ihnen fehlen neben Informatik-Kenntnissen, andere (z.B. Datenschutz-) und tiefere (z.B. Webdesign-) Kenntnisse! Denn: Wie im echten Berufsleben, sind Informatiker keine Designer, auch keine Webdesigner, ebenfalls sind sie keine Content-Manager. Alles sind eigenständige Berufsbilder. Entsprechend habe ich, als „Online-Schülerzeitungs-Entwicklerin“, leider oft beobachtet, wie schön designte Websites mit der Zeit verdorben worden sind. Kurzum: Natürlich passen IT-Nerds in ein Online-Schülerzeitungs-Team, aber sie sollten nicht freie Hand haben, sondern mit folgenden Talenten zusammenarbeiten:
  • Künstlern. Schüler:innen, welche künstlerisch begabt* sind und zum Beispiel ständig freihändig Zeichnen und/oder Malen (was Hochbegabte in jedem Fall auch im Unterricht gerne nebenbei tun), dabei realitätsnahe und/oder interessante Kunstwerke erschaffen, haben in der Regel einen guten Blick und Kenntnisse in Bezug auf Design mit Farben, Formen, Aufteilungen, Schriften, etc. Solche Schüler:innen sind wichtig für Online-Schülerzeitungen! Sie sollten ggf. eng mit den Autoren / den Redakteuren zusammen arbeiten, um zum Beispiel die richtigen Fotos etc. auszusuchen (weil sie einen Blick für Farben und Motive haben). Außerdem sollten sie eng mit den IT-Nerds zusammen arbeiten, um ein stimmiges, schönes Layout auf der Online-Schülerzeitung zu haben.

*Hinweis: Gemeint sind auch hier NICHT solche, welche den Lernplan durch Fleiß oder Ausdauer besonders gut erfüllen können; siehe Einleitung zum Buch: Wer Ausmalbilder sorgfältig ausfüllt, ist kein Kunsttalent und wer eines ist, sollte in keinem Fall genötigt werden, Ausmalbilder auszufüllen oder Motive auf Kindergarten-Niveau abzuliefern.

  • Fotografen & Videoproducer. In Zeiten von digitalen Medien, insbesondere beim Betreiben von Online-Schülerzeitungen sind natürlich Schüler:innen, welche gerne und gut Fotografieren und solche, die wissen, wie Videos für digitale Medien produziert werden, enorm wichtig. Zwar können kostenfreie Fotos und Videos von Online-Portalen wie Pixabay.de oder Pexels.com genutzt werden, aber: Es gibt auch viele Zeitungsartikel, welche eigene Medien brauchen: Interviews, Artikel über Events und Aktionen der eigenen Schule, Reiseberichte (Klassenfahrten), etc. Und ja, auch Fotografieren und Filmen (sowie Videoschnitt) erfordern spezielle Kenntnisse und besonders kreative Talente. Fotos aus spannenden Perspektiven und mit Sinn (es ist erstaunlich, wie oft Fotos überhaupt nicht zum Artikelthema passen oder farblich nicht zum Layout der Schülerzeitung passen …) und kleine Videos bereichern jede Online-Schülerzeitung. Schlussendlich helfen sie insbesondere dabei, es auch so weit zu bringen, irgendwann bei einem Schülerzeitungs-Wettbewerb ausgezeichnet zu werden.
  • Sprachbegabte / Interviewer – Schüler:innen welche „Reden“ können und gefühlt Jedem ein „Auto“ verkaufen könnten, sind in der Regel nicht nur sehr kommunikativ, sondern auch offen und neugierig und wissen, wie sie die richtigen Fragen stellen können. Wer solche Talente hat, ist perfekt für Interviews geeignet. Hinweis: Dies bedeutet nicht, dass diese auch Schreiben können und wollen! Dafür braucht eine Redaktion:
  • Schreibtalente / Autoren. Schüler:innen welche ein Talent zum Schreiben haben, sind natürlich perfekt in einer Redaktion aufgehoben. Hier können sie sich kreativ ausleben und Artikel schreiben, Hirngespinsten nachgehen und (Fake-) News hinterfragen; sie können quer denken, auch mit unbequemen Fragen Leuten auf die Nerven gehen, auch tiefsinnige Themen aufgreifen und Fachartikel schreiben.
    • Wichtig ist hier: Schreibtalente sind solche, denen ohne viel nachzudenken, die Worte aus dem Hirn in die Fingerspitzen fließen. NICHT gemeint sind Schüler:innen, welche gute Deutsch-Noten haben, da sie fleißig sind und/oder Rechtschreibung und Grammatik besonders gut beherrschen. Ein Talent zeigt sich eher nicht durch das Halten an Regeln, sondern eher im Gegenteil – Texte von Schreibtalenten / Hochbegabten im Bereich Sprache sind teilweise sehr vielschichtig, haben verschachtelte, lange Sätze und wirken manchmal irgendwie abstrakt.
      • Der Weg ist, diese Schreibtalente zunächst einmal Schreiben zu lassen, was und wie sie möchten und erst im zweiten Schritt ihnen dabei zu helfen, ihre Texte leserlich und verständlich zu machen (durch Kürzen der Sätze, Dinge auf den Punkt bringen; Fachsprache in Allgemeinsprache übersetzen, etc.) Letzteres ist ein guter Job für Deutsch-Lehrkräfte.
  • Korrektor:innen. Es bietet sich an, die kreativen Redakteure schreiben zu lassen und auch die erste Korrektur selbst machen zu lassen, aber im Nachgang dann Schüler:innen mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen die Texte im Detail Korrekturlesen zu lassen. Das sind die Korrektor:innen – sie achten auf Rechtschreibung, Grammatik, Typografie, Stil, Interpunktion, sachlicher und teilweise auch inhaltlicher Richtigkeit, etc.

Tipp 2: Es ist wichtig, zwischen Autor:innen und Korrektor:innen zu unterscheiden und so kreativen Redaktions-Mitgliedern auf Dauer nicht die Lust am Schülerzeitungsmachen wieder zu verderben. Mach es als begleitende Lehrkraft eine Schülerzeitung nicht zu einem Deutsch-Lernprojekt. Es klingt verlockend und logisch besonders auf richtige Rechtschreibung und Grammatik zu achten, aber tatsächlich haben die kreativen Schreibtalente keine Lust dazu. Sie möchten Themen auf den Tisch bringen, oder sich engagieren, oder was auch immer der Grund ist für ihre Teilnahme in der Redaktion. Was sie nicht möchten, ist Deutsch üben oder sich im Kleinklein der Rechtschreibung aufhalten.

Workshops bzw. Fortbildungen dazu sind auf Media4Schools.de zu finden!

20. April 2022
Schlagworte: Begabten-Förderung, digitale Bildung, Kreativitäts-Förderung, Online-Schülerzeitungen, Schülerprojekte, Schulprojekt
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