Silvester. Was hilft bei Angst durch Knallerei?

Die lauten Knallgeräusche von Silvester-Böllern mögen viele Menschen und Tiere nicht; einige bekommen extreme Angst dadurch. Der Stress beginnt oft schon nachmittags, sobald Draußen die ersten Böller geworfen werden. Insbesondere kleine Kinder und Hunde sind dann übermäßig anhänglich oder verstecken sich. Auch Geflüchtete reagieren besonders empfindlich, denn die Knallerei erinnert an Geräusche von Kriegs-Schauplätzen.

Spätestens um Mitternacht, wenn Feuerwerke und Knallerei so richtig losgehen, drehen Einige regelrecht durch vor Angst!

Während Babys und kleine Kinder weinen und schreien, schweissnass werden und am ganzen Leib zittern, werden Größere eher überspielen wollen, dass sie die Knallerei nicht mögen – mit Coolness oder auch mit Aggressionen. Haustiere reagieren unterschiedlich: Katzen spitzen zunächst die Ohren, um zu verstehen, was das Laute ist. Oft laufen sie dann mit gesträubten Schwanz weg und verstecken sich. Hunde hecheln und zittern wie verrückt, haben angelegte Ohren, aufgerissene Augen; sind unruhig und haben eine geduckte Körperhaltung mit eingeklemmtem Schwanz. Einige sind dann natürlich auch lautstark am Bellen.

Diese Angst ist purer Stress und gar nicht schön, weshalb Eltern und Tierhalter bemüht sind, ihren Lieblingen zu helfen.

“Als ich 11 Jahre alt war, haben Jugendliche um Mitternacht Böller auf uns geworfen. Wir waren zwei Mütter und zwei Kinder, die gerade im Kreis standen, als ein ziemlich dicker Böller genau zwischen uns landete und hoch ging. Wir haben uns zu Tode erschrocken! Meine Mutter sagt (ich kann mich nicht mehr genau erinnern), wir Kinder hätten 20 Minuten lang geweint und geschrien vor Panik. Ich hatte Brandspuren am Bein – durch meine Jeanshose durch. Das habe ich bis heute nicht vergessen und mag Silvester deshalb nicht. Zudem haben meine Haustiere mega Angst vor der Knallerei – ich versuche, sie zu beruhigen, aber bisher klappt das nicht besonders gut”, erzählte eine Jugendliche.

Was könnte vorsorgen und die Angst nehmen?

Das allerwichtigste: Erwachsene und vielleicht auch ältere Jugendliche sollten selbst Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Kleinen Kindern und Hunden sollten sie signalisieren, dass keine Gefahr droht, dass alles gut ist. Tue einfach so, als wären die Knallgeräusche nichts Besonderes. Ignorierst du diese, hält ein Hund sie vielleicht auch nicht für wichtig. Wer dagegen selbst nervös und hektisch ist, macht es nur schlimmer. Mit Kindern kann vorher beispielsweise auch ein Feuerwerk im TV angesehen und erklärt werden – mit Ahs und Ohs – wie schön ist das?

Wirken Gelassenheit und Logik nicht, können (Groß-) Eltern das Folgende tun:

  • Sei für deine Kinder und Haustiere da! Lasse sie nicht allein, sondern Nähe zu – das ist besonders wichtig.
  • Sorge für einen kuscheligen, abgedunkelter Schutzraum.
    • Katzen und Hunde brauchen vielleicht einen großen Karton oder eine Transportbox zum Verstecken.
    • Für Kinder könnte eine Höhle gebaut  werden. Perfekt wäre, wenn dort alle zusammen rein können.
  • Schließe alle Türen, Fenster und Rollläden; ziehe ggf. Vorhänge zu.
  • Schalte Fernseher, Radio oder ein (Online-) Video an, bestenfalls per Kopfhörer, damit die Geräusche möglichst nicht gehört werden.
  • Schlafenden Kindern sowie Hunden kann ein Schal um die Ohren gebunden oder ein Schallschutz-Kopfhörer aufgesetzt werden.
  • Kinder können mit Spielen und Haustiere auch mit Leckerlis abgelenkt werden.

Wichtig natürlich: Gehe nicht mit Kindern und Haustieren vor die Tür, wenn es Draußen knallt!


Ist die Angst extrem groß, können Medikamente helfen.

Wichtig: Niemals Hunden “Acepromazin” geben! Das ist ein Neuroleptikum und Sedativum; es macht den Hund äußerlich ruhig, aber: dieser ist dann wie gelähmt und spürt die Angst trotzdem! Da er sich durch den Wirkstoff nicht mitteilen kann, wird sein Panik noch größer! 

Von Tierärzten empfohlen wird derzeit (12/2022) “Sileo”. Dieses enthält Dexmedetomidinhydrochlorid. Es ist ein Beruhigungsmittel sowie Sedativum in Gelform und wird aus einer gebrauchsfertigen Applikationsspritze zwischen Lefze und Zahnfleisch auf die Mundschleimhaut des Hundes aufgetragen. Das Mittel gibt es nur direkt beim Tierarzt. Dexmedetomidinhydrochlorid verabreichen Ärzte auch per Spritze vor leichten medizinischen Eingriffen, anstatt einer Vollnarkose.

Eine Alternative zu diesem Wirkstoff ist “Imepitoin” (Handelsname “Pexion”). Mit der Gabe muss allerdings in sich steigernder Dosierung bereits fünf Tage vor Silvester begonnen werden. 

Natürliche und sanfte Alternativen – für Mensch und Tier

Hanföl / Cannabis / CBD Öl steht bei Haustieren hoch im Kurs. CBD ist vor allem ein natürliches Schmerzmittel, hat aber auch eine angstlösende Wirkung. Reines CBD (ohne TBC, also Drogenfrei) ist ein nicht-psychoaktives Cannabidiol. Cannabinoide kommen in Hanf / Cannabis Sativa vor. Es sind chemische Verbindungen, die bereits im Körper von Säugetieren (Mensch und Tier) vorhanden sind. Vor allem Menschen mit chronischen Beschwerden wie Schlafproblemen, Stoffwechsel- oder Hauterkrankungen können von Cannabis-Medikamenten profitieren (siehe Artikel dazu auf erkant.de). Und: CBD macht entspannte, gute Laune (“Glücksgefühle”); sorgt für Müdigkeit / Sedierung und ggf. eine Entspannung des Muskelapparats sowie einen gesteigerten Appetit – auch bei Hunden.

Achtung: Die Preise für Hunde-Hanföl und -produkte schwanken stark! Wieviel CBD jeweils enthalten ist, wird oft nicht offenbart – aus rechtlichen Gründen (lies dazu ggf die Kommentare und/oder Bewertungen unter den Produkten). Etwa das: VITAL24 – CBD ÖL 5% für Hunde & Katzen oder “GLOBAL NATUREON“. Ausserdem gibt es fette Hanföle, die kein CBD enthalten und deshalb auch nicht beruhigen.

Weitere Produkte und Wirkstoffe:

  • Auch “Pheromone” werden bei Angst vor Silvester immer wieder empfohlen – laut Wissenschaftlern soll Angst, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Luft liegen können – durch Pheremone. Deshalb werden beruhigende Pheromone für Hunde und Katzen als Duftstoffe über Halsbänder, Verdampfer und Sprays angeboten. Die Erfahrungsberichte von Hundebesitzern klingen aber nicht überzeugend. 
  • “Neurexan” soll wirken – das gibt es als Medikament für Menschen und Tiere (Nurexan ad us. vet.) Es wirkt entspannend und beruhigend bei Nervosität, Schlafstörungen und Angstzuständen. Wirkstoffe darin: Passionsblume und Hafer. Da es ein homöopathisches Mittel ist, ist es rezeptfrei zu bekommen – für Menschen und für Tiere.
  • Für Hunde gibt es alternativ Trust Nature Beruhigung Kautabletten” – darin sind Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter, Passionsblumenkraut, Magnesiumstearat. Die Bewertungen der Käufer sind auf Amazon gut. 
  • Eine pflanzliche Alternative ist “Annimally Relax flüssig” Darin enthalten: L-Tryptophan (eine Aminosäure) mit Moringa (Merretichbaum), Ashwagandha (Schlafbeere), Magnesium, Passionsblume, Johanniskraut & Hopfen. Mehrere der Inhaltsstoffe sind als Stresssenker und Beruhigungs- und/oder Schlafmittel allgemein bekannt, welche es in zahlreichen Produkten gibt.
    • Auf der Website von Martin Rütter (TV bekannter Hundetrainer) steht zudem: “Tryptophan ist z.B. in Cashewkernen, Haferflocken, Kuhmilch sowie Hähnchenfleisch enthalten … zudem braucht der Hund dann ausreichend Kohlenhydrate, da Tryptophan nur dann die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann.” Das heißt, ein Hund sollte mit zuvor genannten Tryptophan-haltige Lebensmitteln gefüttert werden, das zusammen mit Karotten, Kartoffeln, Reis oder Hafer.
    • Alternativ gibt es pure L-Tryptophan-Tabletten für Haustiere, etwa cp-pharma Relaxan“. Für Menschen gibt es sie auch bei Amazon oder in Drogerien sowie Apotheken.

Schnell im Laden zu beschaffen und günstig: Eierlikör

Tieren Alkohol zu geben, ist höchst umstritten, dennoch schwören selbst Experten auf Eierlikör, um Hunde zu beruhigen – vor allem finden sie ihn lecker. In der korrekten Dosierung ist es ein einfaches Sedativum mit angstlösender Wirkung. Ähnlich wie bei Menschen, müsste die Alkoholmenge schon extrem hoch sein, um giftig zu sein. “Hunde fallen von einer begrenzten Menge Alkohol keineswegs tot um, sondern werden – wie wir Menschen – einfach etwas angesäuselt, was in diesem Fall genau der gewünschte Effekt ist” schreibt Tierarzt Rückert auf seinen Blog. Er empfiehlt zum Beispiel: Ein 15 kg schwerer Hund bekommt einen 20%igen Eierlikör nachfolgender Empfehlung: 15 (Körpergewicht) x 0,4 x 100 / 20 (Alkoholanteil des Eierlikörs) = 30 ml Eierlikör. Davon einen Esslöffel (ca. 15 ml) 21.30 Uhr und einen weiteren um 23.30 Uhr. Mehr dazu siehe Blog von Rückert. 

Wir versuchen es jetzt mal mit selbst gebackenen Hunde-Haferkeksen (mit Hafer- und Hanfmehl, Cashewnüssen und CBD-Öl) und L-Tryptophan-Tabletten. Für den Notfall haben wir Eierlikör im Haus.


 Quellen: 

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